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Blockade

Es stinkt erbärmlich. Mit diesem Geruch hatte ich nicht gerechnet.

Ich puste das Streichholz, das ich eben noch unter das Räucherstäbchen gehalten habe, aus und warte einige Sekunden, um sicherzugehen, dass ich richtig liege. Ja, der Rauch, der aufsteigt, verströmt einen süßlich-modrigen Duft der mir den Atem verschlägt. Ich entledige mich des Streichholzes, halte mir die Nase mit einer Hand zu, während ich die andere Hand, die den Luftverpester hält, so weit wie möglich von mir strecke und laufe in Richtung Klo. Dort angekommen, entsorge ich Geruchsbelästigung und kehre, gebeutelt von einigen Schauern, an meinen Schreibtisch zurück, wo ich mich schwer auf meinen Drehsessel fallen lasse, mich zurücklehne und kurz die Augen schließe.

Als ich sie wieder öffne, erscheint das leere weisse Blatt auf dem Bildschirm, auf das ich schon die letzten Stunden gestarrt habe.

Die Sache mit dem Räucherstäbchen war ein kläglicher Versuch, auf andere Gedanken zu kommen, in der Hoffnung, danach mit dem Roman beginnen zu können, der seit Monaten in meinem Kopf steckt. Ich habe mir Unmengen an Notizen gemacht und stundenlang medizinische Notfälle recherchiert, die für den Roman eine wichtige Rolle spielen. Ich kenne die Figuren, ihre Namen, ihre Biografien und welchen Zweck sie für die Geschichte erfüllen. Mein Protagonist ist eine Art Antiheld, der eine schwere Kindheit hatte, ein dunkles Geheimnis in sich trägt und kurz davor steht, einen schweren Fehler zu begehen, der die Geschehnisse meiner Geschichte ins Rollen bringt. Auch an einen superfiesen Antagonisten habe ich gedacht. Ihm habe ich sogar mehr Zeit gewidmet, als meiner Hauptfigur, immerhin finde ich, dass eine Story nur so gut ist, wie der dazugehörige Bösewicht. Ich weiß alles, was man über meinen Roman wissen kann.

Aber ich schaffe es nicht, ihn zu schreiben.

Auf der rechten Seite meines Schreibtischs liegen haufenweise Notizblöcke, gefüllt mit Informationen, die mehr oder weniger relevant sind. Ich habe sie in der U-Bahn, im Bett, auf dem Klo, im Park, im Schwimmbad, beim Esstisch, auf der Couch, beim Autofahren, im Wartezimmer eines Arztes, auf der Straße, im Flugzeug, im Kaffeehaus und an unzähligen weiteren Orten in meine Blöcke gekritzelt. Ungefiltert. Unfähig, etwas wegzulassen, aus Angst, es könnte etwas dabeisein, was sich erst beim zweiten Hinsehen als brauchbar entpuppt. Mit dem Resultat, dass ich von der schieren Menge der Details erschlagen werde. Was soll ich davon verwenden? Was lasse ich fallen? Alles mehr oder weniger unwichtig oder essentiell.

Der Gedanke, einen Roman zu schreiben, bestimmt mein Leben schon seit geraumer Zeit. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich meinen Fernseher das letzte mal eingeschalten oder ein Buch gelesen habe. All meine Freizeit habe ich in diese Geschichte und den damit verbundenen Recherchen gesteckt. Ich sehe, höre und fühle diese Geschichte schon beinahe. Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich meinen Protagonisten vor mir, genauso, wie ich ihn mir ausgedacht habe. So, als würde er tasächlich existieren. Manchmal bin ich mir auch gar nicht mehr so sicher, ob es ihn nicht tatsächlich gibt, ich mich sozusagen an einer Person aus dem wirklichen Leben orientiert habe, oder ich ihn einfach nur schon so gut kenne, dass es mir so vorkommt, als wäre er echt.

Der Cursor blinkt in der linken oberen Ecke des leeren Blattes, der Rythmus erinnert an Lachen. Sogar man mein Mac scheint sich über mich lustig zu machen. Ich kann es ihm auch nicht verdenken. Ich komme mir vor wie einer, der alle Zutaten für ein großartiges Gericht zusammengetragen hat, aber unfähig ist, dieses zuzubereiten. Ich scheitere schon beim ersten Satz. Plötzlich überkommt mich das Gefühl, laut und lange zu schreien. Diese Scheißblockade einfach aus mir hinauszukreischen. Kurz bin ich auch geneigt, diesem Impuls nachzugeben. Aber ich lasse es dann doch sein. Vielleicht hilft mir ein Tee.

Die nächste Verlegenheitshandlung, die mich daran hindert, endlich loszulegen. Ich bin mir darüber im Klaren, stehe aber trotzdem langsam auf und schlurfe geräuschvoll in die Küche, um mir einen Früchtetee zuzubereiten. Während der Wasserkocher arbeitet, gehe ich im Kopf die Handlung meiner Geschichte zum hundertsten mal durch und stelle fest, dass ich immer noch nichts daran optimieren kann. Die Story passt von Anfang bis zum Ende. Besser geht’s eigentlich nicht. Da kann einfach nichts schiefgehen. Ein lautes Klack! des Wasserkochers reisst mich aus meinen Überlegungen und die nächste Minute verliere ich mich in der Welt der Teetassen, Teebeutel und Zuckerdosen.

Zurück am Schreibtisch. Ich sitze. der Cursor lacht noch immer. Ich nehme einen Schluck Tee und blinzle den Bildschirm an. Der Titel meines Romans ist großartig. Er lautet ‘Hurenkind’.

Ich musste auch gar nicht lange überlegen, er war immer schon da, wartete sozusagen irgendwo in meinem Unterbewußtsein darauf, dass ich ihn eines Tages benötigen würde.. Mein Protagonist ist der Sohn einer Dame aus dem horizontalen Gewerbe und einer lokalen Größe aus der Wiener Unterwelt. Einen treffenderen Titel kann es unmöglich geben. Ich gehe in Gedanken kurz eine Szene durch, in denen der Sohn auf seinen Vater trifft und es zu einer folgenschweren Auseinandersetzung kommt. Das ganze wirkt so echt, als wäre ich tatsächlich dabeigewesen. Ich muss lächeln. Langsam verliere ich wohl den Verstand.

Ich stelle die Teetasse beiseite, richte mich auf, ziehe die Tastatur zu mir her und schiebe meine ausgestreckten Finger langsam über die Tasten, bereit, jederzeit loszulegen.

Du kannst das.

Ein einziges Wort ist alles, was ich brauche. Die Initialzündung quasi. Nur ein bißchen Starthilfe. Habe ich mal den ersten Satz geschrieben, kommt der Rest von selber, dessen bin ich mir sicher. Eine geniale Idee kommt mir. Ich könnte doch zum Einstig etwas komplett anderes schreiben. Um diese seltsame Blockade loszuwerden. Einfach irgendeinen sinnlosen Text tippen, der dafür sorgt, dass einfach nur mal Worte aus meinen Fingern fließen. Und wenn ich genug Blödsinn verzapft habe, schalte ich sofort um und beginne mit dem ersten Satz meines Romans, der in meinem Kopf fix und fertig darauf wartet, zur Welt gebracht zu werden.

Das könnte funktionieren. Ich spüre, wie ich aufgeregt zu Lächeln beginne. Worüber soll ich schreiben? Ich hab’s! Irgendeine sinnlose Aktion wie Nase schneuzen oder… plötzlich überkommt es mich. Einer genialen Eingebung folgend, beginne ich zu schreiben, wie ich an meinem Schreibtisch sitze und auf ein leeres Blatt Papier starre. Irgendwie will das, was in meinem Kopf wartet, nicht aus mir raus. In der Hoffnung, mich ablenken zu können, stehe ich auf und gehe zum Fenster. Auf der Fensterbank liegt eine kleine Holzbox mit Räucherstäbchen. Die sind zwar schon eine Ewigkeit alt, aber ich zünde dennoch ein Streichholz an, halte es an die Spitze des Stäbchens und warte eine Weile auf den süßlichen Geruch.

Und warte.

Und warte.

Was mir auf den Sack geht…

Es gibt viele Dinge, die mich nerven. Personen aus meinem Umfeld, Schauspieler, Filme, Bands, Politiker. Viele(s) davon kann ich ganz gut ausblenden, aber immer wieder schafft es eine der eben Genannten, meine Säfte derartig zum Kochen zu bringen, dass ich am liebsten kleine Otterbabys aufspießen und bei lebendigem Leibe auffressen möchte.

„Verschissene Energie!“, ruft da jetzt sicher der eine oder andere. Und ich muss gestehen, der Einwand ist nicht ganz unberechtigt. Was juckt es mich auch, ob ein Film im Kino anläuft, in dem eine Schauspielerin mitwirkt, der ich ohne mit der Wimper zu zucken die Halsschlagader aufbeissen würde? Was geht es mich an, wenn eine österreichische Band aus dem Nichts auftaucht, ein paar (beschissene) Lieder rausknallt und alle Welt auf die Knie geht und lauthals von den Rettern des Austropop faselt? Wieso kann ich das alles nicht abschütteln wie ein paar Brösel Verputz, die einem auf die Schulter purzeln, wenn man ein Loch an der Decke bohrt?

Schon als Kind konnte ich Personen oder gar Songs so abgrundtief hassen, dass ich mir sicher war, dass sich dies irgendwann auf irgendeine Art und Weise beim Zielobjekt meines Hasses bemerkbar machen und optimalerweise irgendwann einen negativen Effekt erzielen musste. Passiert aber seltsamerweise nie. Komisch.

Mit zunehmendem Alter habe ich es jedoch geschafft, viele Dinge, die mir noch vor einem Jahrzehnt die Zornesröte ins Gesicht getrieben hätten, einfach zu ignorieren. Es kostet einfach zu viel Kraft, ausschließlich negative Gedanken mit sich herumzuschleppen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich es gänzlich aufgegeben hätte, mitnichten. Ich bin einfach nur wählerischer geworden, das ist alles. Es gibt nach wie vor Dinge, wo ich einfach auszucken könnte und einfach nicht verstehe, warum andere sie als toll, gut oder irgendwie gelungen erachten.

Hier mal ein kleiner Auszug:

Star Wars

Scheiß Filme. Allesamt. Eine bescheuerte Räubergeschichte nach der anderen und ich wähnte mich nach dem letzten Teil, der ja der dritte ist, weil die ersten drei in den Siebzigern die zweiten drei Teile sind, schon sicher und war froh, diesen Scheißdreck endlich von der Backe zu haben. Aber nein. Mister JJ Abrams muss sich da ja eine neue Trilogie aus dem Arsch ziehen und uns alle beglücken. Und erneut eine gottverdammte weltweite Hysterie bezüglich Jedirittern und ihren scheiß Lichtschwertern, die sie sich aus dem Arsch ziehen. Fuck you, JJ!

Wanda

Worte können den glühenden Hass nicht beschreiben, den ich für diese beschissene österreichische Band empfinde. Aufgetaucht aus dem Nichts und mit ausschließlich miesen Songs im Repertoire hat es diese Band tatsächlich geschafft, Kapellen wie Wir sind Helden oder Silbermond vom Thron zu schubsen. Dabei ist es im Grunde weniger die Scheißmusik, die diese Affen machen, sondern viel mehr das hirnlose Anhimmeln ihrer Fans, denen scheinbar nicht auffällt, wie hundsmiseral die Musik ist, die Wanda machen. Retter des Austropop? Wollt ihr mich verarschen?! Der Sänger kann ja nicht mal seine Scheißfrisur retten, geschweige denn singen!

Michael Mittermeier

Ah, deutsche Comedy! Der gespitzte Holzpfahl ins Herz eines jeden Österreichers, der Kabarett mag und mit Größen wie Lukas Resetarits, Alfred Dorfer oder Josef Hader aufgewachsen ist. Deutsche Comedy! Die so seicht ist, dass sich jeder Eisbein fressende und Apfelschorle schlürfende Piefke vor Lachen die Schenkel wund klopft, dankbar, dass er die Gags auch versteht. Von allen Vertretern dieser erbärmlichen Zunft ist Michael Mittermeier mit Abstand der mieseste. Die Gags sind fürn Arsch und für seine quiekende, bescheuerte Stimme mit diesem beschissenen bayrischen Akzent gehört ihm sowieso ins Maul geschissen. Genauso für seine lahmarschigen Versuche österreichischen Akzent zu sprechen. Unsere deutschen Nachbarn tun das ja ganz gerne und das auch überaus schlecht. Wie so eine Pfeife ganze Hallen füllen kann, ist mir einfach schleierhaft. Vor ein paar Tagen ist er bei TV Total aufgetreten und ich bin vor Fremdscham im Boden versunken, als das kaum anspruchsvolle TV Total Publikum nicht so richtig über  seine müden Kalauer lachen wollte. Einfach! Nicht! Lustig! Schleich! Dich! Du! Arsch!

XXXLutz / Familie Putz

Was der alles hat? Wer sich auch immer diese verhurte Pseudo-TV-Familie ausgedacht hat, hatte auf jeden Fall den Arsch offen! Eine dämliche Werbung jagt die nächste und wir dürfen seit Jahren dabei zusehen, wie diese Arschgesichter älter werden und sich vermutlich auch noch für talentierte Schauspieler halten. Sogar die alte Schachtel wurde ausgetauscht oder ist vielleicht sogar abgekratzt, ohne dass es jemandem etwas ausgemacht hätte. Einfach die nächste alte Schachtel her und weiter geht’s! Ähnlich dürften sie gedacht haben, als dieser rothaarige kleine Schwanzlutscher Haare auf dem Sack bekommen hat und in den Stimmbruch gerutscht ist. Flugs eine großduttlerte Tussi hergezaubert, die immer mit dem Arsch wackelt und alle sind glücklich. Mein Hass gegen diese beschissene Familie/Werbelinie geht so weit, dass ich hoch und heilig geschworen habe, nie dort einzukaufen, einfach nur, weil mir diese verfickte Familie Putz dermaßen auf die Eier geht. Ich wette, das finden sie auch super.

Telering / Inder Hood 

Die nächste Werbefigur, der ich am liebsten ins Gesicht spucken würde. Wer um alles in der Welt denkt sich einen Inder aus, der zuerst Inder ist, den man etwas fragen soll und im Laufe der Jahre zu einem Robin Hood Verschnitt mutiert, bis er sich irgendwann mit einer verschissenen Socken-Handpuppe unterhalten muss?! Trägt dieser Typ, der auch noch im Format „Dancing Stars“ auf die Menschheit losgelassen wurde, denn nicht den leisesten Funken Stolz in seinem Körper? Ich muss dazu sagen, dass sich der Inder ein Kopf an Kopf rennen mit dem verfickten Hausverstand vom Billa geliefert hat, dem ich bei der ersten Gelegenheit, sollte sie sich mir jemals bieten, mit Anlauf in die Eier treten werde. Einfach nur weil er in den Billa-Spots einen scheiß-Rollkragenpulli trägt und dreinschaut, als hätte ihm jemand ein Dutzend Lustkugeln in seinen Anus gestopft. Gott, ich hasse euch so sehr!

Ach, ich könnte diese Liste ewig lang weiterführen. Aber belassen wir es einfach mal dabei. Ja, negative Energie in sich aufzustauen wegen so belanglosem Scheiß scheint ein recht sinnloses Unterfangen zu sein. Aber ich bin nun mal ein emotionaler Mensch! Letzten Endes lebe ich andere Gefühle wie Liebe, Freude, Trauer  mit der gleichen Energie und Kraft und – leck mich doch am Arsch – das muss doch auch etwas wert sein!

Wer einfach teilnahms- und emotionslos vor sich hinvegetiert und sich keinen Gefühlsregungen hingibt, hat nie gelebt. So einfach ist das.

Zug, Umzug, Umzug…

Es ist vollbracht! Nach ewig langem Herumsuchen und Inserate durchforsten ist es uns tatsächlich gelungen, einen wirklich annehmbare, schöne, große Wohnung zu finden, die unseren Bedürfnissen entspricht.  Selbstverständlich hatte hier der Zufall seine Finger im Spiel, denn wir waren gleich die ersten, die das Objekt im Internet nach dessen Freischaltung angezeigt bekamen und haben uns mit der tollkühnen Verbissenheit eines Chihuahua darauf gestürzt. Mit Erfolg. Dass wir nun monatlich soviel Kohle für Miete abdrücken müssen, wie eine rumänische Kleinstadt in Summe in einem Jahr verdient, sei mal dahingestellt. Wer schön wohnen will, muss Geld auf den Tisch legen. So ist das nun mal.

Man stellt sich aber natürlich schon irgendwann die Frage, warum man eigentlich so viel fürs Wohnen bezahlen muss. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, fällt mir ein, dass wir eigentlich nie Miete zahlen mussten. Waaas, rufen jetzt einige bestimmt, wie kann denn das sein?! Lug und Trug! Mitnichten. Wer in einer Hausbesorger-Wohnung wohnt, bezahlt eben keine Miete. Zumindest war das in den frühen Achtzigerjahren noch so. Man musste also nicht nur nichts für die Unterkunft bezahlen, sondern bekam vom Hauseigentümer auch noch ein kleines Gehalt, damit man sich um das Haus kümmerte. Stiegenhaus fegen, aufwaschen, Fenster putzen, Glühbirnen wechseln… so Zeug eben.

Natürlich war es klar, dass ich in keine Hausmeister-Wohnung ziehen würde. Davon abgesehen, dass ich weder Zeit, noch Lust habe, mich um die damit verbundenen Arbeiten zu kümmern, gibt es diese Art von Behausung scheinbar kaum noch. Der Posten des Hausbesorgers ist, so scheint es, in den letzten Jahren sang- und klanglos verschwunden. Stattdessen begegnen einem einmal in der Woche fremde, in gebrandete Overalls gekleidete, Herren, die mit eisernem Gesicht das Stiegenhaus säubern, ihren Kram danach in einen Kleintransporter schaffen und sich aus dem Staub machen.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann fallen mir zig Situationen ein, wo Nachbarn sich mit hausrelevanten Problemen an meine Eltern wandten. Diese kümmerten sich darum, alle waren glücklich und zufrieden. Es entstand so etwas wie eine Hausgemeinschaft. Man kannte und grüßte sich im Stiegenhaus. Wenn es darum ging, die Mietzins-Erlagscheine zu verteilen, kassierte ich auch schon mal die eine oder andere Fünf- oder gar Zehn-Schilling-Münze, damals ein fürstliches Trinkgeld! Alles in allem kann man sagen, dass die Hausbesorgertätigkeit es meinen Eltern ermöglichte, ihre Kinder zu ernähren und darüber hinaus Geld zu sparen, das sie in unsere Wohnung in der Türkei investierten. Verdammt coole Sache eigentlich.

Umso unverständlicher ist das alles für mich, wenn ich an die Hausbesorgerin unserer letzten Wohnung in der Neubaugasse denke. Eine ständig mies gelaunte, kettenrauchende, schimpfende, hässliche Person, die de facto nie im Haus anzutreffen war und die anfallenden Arbeiten von einem polnischen Hausarbeiter erledigen ließ, der scheinbar in ihrem Kabinett wohnte. Überhaupt war die gesamte Mieterschaft in diesem Haus für Arsch und Friedrich. Keiner hielt es für notwendig zu grüßen, das Haustor würde einem, wenn man mal beladen mit Einkaufssackerln daherwackelte, vor der Nase zugeschlagen und irgendwelche fettärschigen Weiber parkten ihre Scheiß-Karren immer so, dass das Weiterkommen durch den Hof zu einem wahren Orientierungslauf mutierte. Mit einem Wort: katastrophal! Dafür war jedoch die Hausverwaltung, mit der wir des Öfteren zu tun hatten, vom Feinsten. Erledigten alles prompt und man musste sich um nichts kümmern. Da nahm man Mitbewohner, die scheinbar keine Kinderschule genossen hatten, schon gerne mal in Kauf.

Nun sehen wir uns, nach unserem Umzug, mit dem Gegenteil konfrontiert. Die Wohnung ist super, die Lage großartig, die Bewohner der Anlage sind nett, zuvorkommend, höflich und hilfsbereit, die überforderte Dame jedoch, die sich bei der Hausverwaltung um unsere Belange kümmert, verursacht bei mir jetzt schon, dass alle Feitln in der Hosentasche aufgehen. Jedem Mist muss man nachlaufen, nichts kriegt sie gebacken. Und wenn man nachfragt, wird man auch noch angeschnauzt. Ich habe beschlossen, ihr bis Jahresende Zeit zu geben. Danach wird sie mich und meine berüchtigten Wutausbrüche kennenlernen, wenn sie nicht langsam in die Gänge kommt.

Es scheint also, dass immer irgendwo der Hund drin ist. Eine Mischung aus alter Hausverwaltung und neue Wohnung wäre toll, aber das spielt’s halt leider nicht. Unterm Strich sind wir einfach nur glücklich in einer so großen Wohnung zu hausen, dass wir uns manchmal eine halbe Stunde lang suchen müssen.

Okay, das war etwas übertrieben.

Wie auch immer, Neubau kann uns mal gehörig am Arsch lecken. Pötzleinsdorf/Währing wird uns noch kennenlernen!

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Im Park

Hass.

Ich spucke das Wort beinahe verächtlich aus. Nicht, dass es an jemanden gerichtet wäre. Ich sitze alleine auf einer Parkbank im Stadtpark und beobachte das Treiben um mich herum, während ich versuche, meinen Hass auf die Welt zu kontrollieren. Es gelingt mir nur bedingt.

Das war nicht immer so. Als ich jünger war, verschwendete ich weder Zeit noch Energie auf Dinge, die sich meinem Einfluss entzogen. Ich nahm sie hin. Diese Fähigkeit ist mir in den letzten zwanzig Jahren irgendwo abhanden gekommen. Menschen, Geschehnisse, Gegenstände ziehen meinen Unmut auf sich, so als hätte ich durch diese Tatsache etwas zu gewinnen. Ich projiziere meine eigene Unzufriedenheit auf andere, damit ich mich nicht mit mir selber auseinandersetzen muss. Mich trifft nie die Schuld, immer nur die anderen.

Ich spucke etwas gelbe Gallenflüssigkeit zwischen meine Beine und betrachte die Flüssigkeit, als sie zwischen meinen Schuhen zerrinnt.

Hass.

Oh, ich kann hassen. Mit der unvergleichlichen, erbarmungslosen Intensität von zehn Milliarden Atombomben und ich mache davon Gebrauch, so oft ich nur kann. Dabei spielt es keine Rolle, dass ich mir der Tatsache bewusst bin, dass ich mir selber wehtue. Irgendjemand hat mal gesagt, Hassen wäre wie Gift zu trinken und dann zu erwarten, dass sein Gegenüber daran jämmerlich zugrunde geht. Genauso fühlt es sich auch an.

Eine alte Frau setzt sich neben mir auf die Parkbank und beginnt, in ihrer Handtasche herumzukramen. Ich sehe sie nicht an, nehme sie lediglich zur Kenntnis. Mit der Frage, warum sie sich gerade neben mich setzt und nicht auf einer der zahllosen anderen, leeren Parkbänke, will ich mich nicht beschäftigen.

Meine Augen brennen und meine Hände Hände sind geballt. Nichts und niemand hat diesen Zustand verursacht, ich bin auf einhundert, aber kann beim besten Willen nicht sagen, warum. Das bringt mich immer mehr in Rage und der Gedanke, jemandem mit bloßen Händen das Herz herauszureissen, flackert in meinem malträtierten Kopf auf wie bei einer Glühbirne, die kurz davor steht, das Zeitliche zu segnen.

Die alte Frau hat ein Jausenbrot ausgepackt und isst neben mir. Ich höre sie schmatzen und beneide sie ein wenig. Ich beneide sie, weil sie einfach so hier sitzen kann, ohne die ganze Welt abschlachten zu wollen. Ohne sich zu fragen, was die ganze Scheiße denn eigentlich soll. Ohne sich alle 5 Sekunden auf die Unterlippe zu beißen, aus Angst, ja nichts Falsches, Verletzendes, Gemeines zu sagen. Sie sitzt einfach neben mir, kaut an ihrem Brot herum und beginnt schließlich auch noch leise ein Lied zu summen.

Hass.

Die Wut in mir steigt immer höher. Ich spüre, dass ich mir bald irgendwie Erleichterung verschaffen muss, ehe mein Kopf explodiert. Das tut er natürlich nie. Ich gebe meist weinend auf, kauere mich auf dem Fußboden oder der Couch zusammen und schlafe ein, sobald es meine höllischen Kopfschmerzen irgendwie erlauben, ehe ich in einen traumlosen Schlaf gleite, der mehr einer Ohnmacht gleicht.

Ich werfe der alten Frau einen gequälten Blick zu, den sie wortlos zur Kenntnis nimmt. Sie isst ihr Brot auf, packt das Papier in ihre Tasche, steht auf und geht schließlich, ohne ein einziges Wort von sich gegeben zu haben, summend davon.

Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so einsam gefühlt wie in diesem Moment.

Weinend stehe ich schließlich auf, ziehe die Schultern an und vergrabe meine Hände in meinen Jackentaschen. Nach einem flüchtigen Blick auf die Parkbank, gehe ich schließlich meines Weges.

Hass. Nichts anderes bleibt mir.

Mein Input zur bevorstehenden Wahl…

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Ernsthaft. Ihr wollt die Entscheidung nicht irgendwelchen Mitbürgern überlassen, die, geblendet von Angst, Dummheit, Ignoranz, Hass oder einer Mischung aus allem, ihr Kreuz bei der Scheiß-FPÖ machen.

Es gibt keinen, ich wiederhole, keinen einzigen Grund, nicht wählen zu gehen. Jeder einzelne, der findet, dass es eh keinen Sinn hat, weil die Politiker alles lügende Arschgeigen sind und sich ja sowieso nichts ändern wird, bringt den Blauen einen Vorteil an Stimmen.

Wenn diese elendige Partei erst einmal einen Fuß in der Regierung hat, weil ja eh jeder dachte, das wird nicht passieren, ist der Aufschrei wieder groß und alle gehen wöchentlich demonstrieren und schimpfen.

Das muss nicht passieren. Handelt jetzt. Bei der kommenden Wahl. Bewegt euren Arsch, nutzt eure Stimme und wählt! Egal wen!

Nur nicht die FPÖ.

Danke.

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Fünf Nationen in zwei Tagen

Da bin ich wieder. Meine Fresse, was für eine Ochsentour! Letzte Woche Donnerstag bin ich also in die Türkei, genauer gesagt, nach Istanbul, geflogen. Flug war okay. Durch diese dumme easyJet Sache traue ich Billig Airlines nicht mehr wirklich, aber Onur Airlines haben ihre Sache sehr ordentlich gemacht und mich fast auf die Minute genau abgeliefert. Chapeau!

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Von Istanbul war es dann ein wenig mühsam, nach Adapazari zu gelangen. Ich hab mir ein Taxi gegönnt, das mich zum Busbahnhof gebracht hat. Die Fischsandwiches, die ich mir ursprünglich bei der Galatabrücke im Zentrum reinknallen wollte, habe ich kurzerhand gestrichen. Hätte einfach zu viel Zeit gekostet. Dann ein Busticket gekauft, einen Toast gefuttert und einen Tee getrunken und darauf gewartet, dass es losgeht.

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Stunden später war ich dann endlich am Ziel, bei meinen Eltern und konnte schon mal beginnen, mich seelisch auf die Rückreise einzustellen. Davor noch einige Verwandte gesehen, viel gegessen und viel getrunken. Wie man das halt in der Türkei so macht.

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Samstag morgen dann das Auto beladen und auf ging’s! Dummerweise hatte ich nicht bedacht, dass gerade Opferfest, eines der beiden wichtigsten moslemischen Feiertage, stattfindet, die Fahrtzeit nach Istanbul betrug also aufgrund massiv hohem Verkehraufkommens locker das doppelte der üblichen Zeit. Dann auch noch fetten Stau erwischt. Eh klar. Scheißdreck.

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Irgendwann waren wir dann endlich imstande, den Bosporus zu passieren und Vollgas, das sind bei dem 99’er Opel Corsa meiner Eltern geschätzte 75 km/h, Richtung Kapikule, das ist der Grenzübergang in Edirne, zu düsen.

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Einmal an der Grenze, steht einem der größte Tritt in die Eier bevor: Bulgarien. Wer mich kennt, weiß, wie ich zu diesem Land stehe. Kurioserweise muss ich gestehen, dass unsere diesjährige Reise durch dieses Land keine besonderen Überraschungen für uns parat hielt. Ich hatte sogar den Eindruck, dass manche Passagen der Strecke erst kürzlich modernisiert worden sind, generell machte alles einen weitaus brauchbareren Eindruck, als dies letztes Jahr der Fall war. Es gab sogar Schilder! Und auch die Autobahn war in eindeutig besserem Zustand als das letzte mal. Verrückt!

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Sicherheitshalber hatte ich extra mein Navigationsgerät aus Wien mitgenommen. Kein Fehler, wie sich herausgestellt hatte. Denn selbst mit einem Navi ist es ein Leichtes, sich in diesem Land zu verfahren. Naja. Irgendwann erreichten wir dann endlich Serbien, das, bis auf Toiletten, die nicht funktionierten, kaum Nennenswertes zu bieten hatte.

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An der ungarischen Grenze angekommen, waren meine größten Befürchtungen, dass es aufgrund der ganzen Flüchtlings-Geschichte zu einem längeren Aufenthalt kommen könnte. Tatsächlich konnten wir die Grenzbeamten dann auch dabei beobachten, wie sie jedes passierende Fahrzeug gründlichst durchsuchten, ehe man weiterfahren durfte. Das Ganze dauerte in etwa eine Stunde, dann konnten wir endlich Richtung Österreich brausen.

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Und dann, nach knapp 30 Stunden Reisezeit, waren wir endlich daheim. Ziemlich müde, aber auch ziemlich glücklich, dass alles geklappt hat und wir unterwegs nicht aufgehalten wurden. Wer noch nie einen derartigen Roadtrip gemacht hat, dem sei gesagt: lass die Finger davon. Außer natürlich, man hat eine geile Karre, die einen auch in einem entsprechenden Tempo voranbringt. Mit 55PS unter der Haube und bis unters Dach mit lauter Zeugs beladen, macht das einfach keinen Spaß.

Immerhin habe ich dafür gesorgt, dass meine Eltern (und ich) in einem Stück daheim angekommen sind. Die nächsten Tage werde ich dem einen oder andern ausgiebigen Schläfchen widmen, ehe es wieder zurück zur Tagesordnung geht.

Und nächstes Jahr… nun, was ich meinem Vater angedroht habe, sollte er nächstes Jahr erneut auf die dumme Idee kommen, selber mit dem Auto fahren zu wollen, werde ich hier posten, sofern es dazu kommt. Dürfte lustig werden. Hoffen wir, dass es sein lässt.

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Einmal Türkei/Österreich bitte!

Nun ist es also wieder so weit. Ich fliege morgen nach Istanbul. Vom Flughafen fahre ich mit dem Taxi zur Galatabrücke und ballere mir zwei Fischsandwiches ins Gesicht. Dann nehme ich die nächste Fähre auf die asiatische Seite und springe in den nächsten Bus, der mich nach Adapazari bringt. Dort angekommen, nehme ich erneut einen Bus, der mich zur Wohnung meiner Eltern bringt. Wie ich mich kenne, könnte es aber auch ein Taxi werden, das ich mir gönne. Ist ja nicht so, als würden die weiß Gott wieviel kosten in der Türkei. Und dann.. naja, dann bin ich also in der Türkei.

Warum, ist die Frage? Ist dir fad? Besuchst du jemanden? Ist es ein Urlaub? Nein. Wie schon letztes Jahr, wurde mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil, meine Eltern, die jedes Jahr mit dem Auto für mehrere Monate in die Türkei fahren um den Sommer dort zu verbringen, mit ebendieser Karre zurück nach Wien zu kutschieren. Was? Warum mein Vater nicht selber fährt, wird da gefragt? Guter Punkt! Er hat grauen Star auf beiden Augen und ließ sich dieses Frühjahr nur auf dem einen operieren. Das andere, so meinte er, würde schon bis zum Herbst durchhalten.

Hat es nicht. Sichkraft genau 0%. Quasi blind. Und genau da komme ich ins Spiel.

Viele Menschen aus meinem Umfeld verstehen nicht, warum ich das mache. Sie können nicht nachvollziehen, warum ich mir diese Ochsentour antue. Hier nochmal eine kurze Auflistung der Städte, die ich auf der Strecke anpeile:

  1. Adapazari / Istanbul: 163km
  2. Istanbul / Edirne: 239km
  3. Edirne / Plovdiv: 172km
  4. Plovdiv / Sofia: 144km
  5. Sofia / Niš: 168km
  6. Niš / Belgrad: 238km
  7. Belgrad / Szeged: 220km
  8. Szeged / Budapest: 173km
  9. Budapest / Wien: 243km

Ergibt eine Gesamtstrecke von 1.660 km. Interessant dabei ist, dass Google Maps die Distanz von Adapazari direkt nach Wien mit 1.737km angibt. Da hat’s doch was. Was ist mit den restlichen 77km, ha? Ha?

Aber ich schweife ab. Morgen angekommen, bleibt mir ein Tag, Freitag, um alles zu erledigen, was für diese Reise erledigt werden muss. Samstag früh geht es dann los. Was, also, ist der Grund, dass ich meine Eltern heimfahre? Das ist eigentlich sehr schnell erklärt:

Weil sie meine Eltern sind.

Die Frage, ob ich das denn überhaupt machen muss oder kann oder will, stellt sich gar nicht erst. Ich bin ihr Sohn und der Teufel soll mich holen, wenn ich sie in so einer Situation sitzenlasse. Ja, man muss natürlich auch wissen, dass ich meinen Vater jedes Jahr anflehe, nicht mit dem Auto zu fahren, immerhin ist er nicht mehr der Jüngste. Geht ihm ziemlich am Arsch vorbei. Habe ich schon erwähnt, dass mein Vater Dinge einfach immer auf seine Art und Weise erledigt, egal, was andere davon halten?

Meine arme Mutter, die einen Flug bei weitem bevorzugen würde, fährt gezwungenermaßen mit, weil er, sollte sie sich weigern, sogar bereit wäre, alleine in die Türkei und retour zu fahren. Außer natürlich, er sieht nichts mehr auf einem Auge. Da geht dann natürlich nichts mehr. Da muss dann ich ran.

Macht mir das etwas aus? Scheiße, ja! Wer noch nie diese Distanz alleine in einem Auto zurücklegen musste, kann sich einfach nicht vorstellen, wie mühsam diese Scheiße ist. Das wäre es schon alleine, aber dann ist da ja auch noch Bulgarien, das durchquert werden muss. Wer sich dafür interessiert, was daran denn so schlimm sein soll, dem lege ich meinen Bulgarien Reisebericht von letztem Jahr ans Herz.

Aber letzten Endes geht es hier um Familie. Das, was ich für meine Eltern tue, würde ich für jeden anderen aus meiner Familie auch tun. Letzten Endes hat man nur eine Mutter und einen Vater. Außer, natürlich, man hat homosexuelle Eltern, dann sinds natürlich immer zwei. Nur so nebenbei.

Wie auch immer. Irgendwie freue ich mich auf diesen Roadtrip. Irgendwie könnte ich beim Gedanken daran kotzen. Hält sich ziemlich die Waage. Andererseits bedeutet das, wieder viel Zeit mit meinen Eltern verbringen und sich austauschen zu können. Passiert sowieso viel zu wenig und ich frage mich, wie viele Jahre ich dazu noch Gelegenheit haben werde. Beim Gedanken, irgendwann nicht mehr mit einem von beiden reden zu können, worüber auch immer, überfällt mich blankes Entsetzen. Auch bei dem Gedanken, dass es sich dabei um eine Tatsache handelt, die auf uns alle wartet.

Das Leben ist kurz. Warum sich wegen ein paar Kilometern oder wenig Schlaf aufregen, wenn man sich dafür irgendwann sagen kann „Egal, was ich sonst für Scheiße in meinem Leben gebaut habe… immerhin war ich ein halbwegs guter Sohn.“

Und das will ich sein. Nicht mehr, nicht weniger.

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Wie ich Cheeseburger mache

Gestern habe ich Cheeseburger für meine ältere Tochter gemacht. Sie hatte Geburtstag und ich, großartiger Dad, der ich bin, habe sie gefragt, was sie denn gerne essen würde.

Sie meinte, sie hätte gerne etwas Gutes.

Ich meinte, wir machen fucking Cheeserburger!

Ich bin keiner dieser Menschen, die behaupten, dass nur selbstgemachte Burger essbar wären. Ganz im Gegenteil, so labbrig diese McDonald’s Cheeseburger auch sein mögen, sie kosten nur einen Euro und wenn es mal wirklich schnell gehen muss, spricht überhaupt nichts dagegen, sich um 3 oder 4 Euro den Wanst mit dem Zeug vollzustopfen.

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich einen guten, selbstgemachten Burger nicht zu schätzen wüsste. Rezepte und Philosophien, was einen perfekten Burger ausmacht, gibt es ja in Unmengen. Manche schwören darauf, ihr Faschiertes nur mit Salz und Pfeffer zu würzen, andere machen eine Religion aus der Suche nach dem richtigen Käse oder korrekten Zusammensetzung der Garnitur.

Ich persönlich sehe das alles nicht so eng. Kochen bedeutet, gelegentlich Kompromisse einzugehen. Hast du die eine oder andere Zutat nicht parat, dann überleg‘ dir eine Alternative. Und wenn das bedeutet, dass man etwas ganz weglässt, dann ist das eben so. Andersrum bin ich mir dann manchmal aber auch nicht zu schade, nochmal rauszugehen, wenn ich eine essentielle Zutat vergessen habe und die Supermärkte noch geöffnet haben. Wie auch immer man sich entscheidet: man muss mit dem Resultat leben.

Wie sieht also ein Burger aus, den ich zubereite?

Grundsätzlich bestehen Burger bei mir immer aus 3 Komponenten:

  1. Dem Burger
  2. Wedges
  3. Salat

Erst diese Zusammenstellung ergibt für mich ein komplettes Burgergericht. Andere sehen das aber möglicherweise anders. Aber beginnen wir mal mit den Nummern 2 und 3, ehe wir uns dem Burger widmen.

Wedges

Erdäpfel, am besten in Pommes oder Wedges Form, gehören zu einem Burger, wie Senf zur Frankfurter oder Preiselbeermarmelade zum Wiener Schnitzel. Irgendwann habe ich entschieden, dass es Wedges sein müssen. Der Vorteil liegt hierbei klar auf der Hand: man verwendet viel weniger Öl, als wenn man Pommes frittiert. Davon abgesehen, schiebt man das fertig präparierte Blech einfach ins vorgeheizte Backrohr und kann sich zwischenzeitlich anderen Themen widmen. Um also geile Wedges zuzubereiten

  1. nehme ich kleine, längliche Erdäpfel, wasche und trockne sie.
  2. Viertle ich sie der Länge nach und lege sie auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech.
  3. Träufle etwas Olivenöl drüber.
  4. Salze, pfeffere alles nach Gusto und schwenke die Chilimühle einige male drüber.
  5. Vermische alles mit den Händen und verteile alles auf dem Blech.

Damit wäre diese Thema erledigt.  Gardauer beträgt ungefähr 20 bis 30 Minuten, je nach Größe der Erdäpfel, bei einer Hitze von 200°C. Zeit genug, sich um den Rest zu kümmern.

Salat

Aaah! Salat! Der gesunde Anteil jeder Burger-Mahlzeit! Welche Art von Salat hier zubereitet werden sollte, spielt im Grunde keine Rolle. Ein gemischter Salt tut es genauso, wie ein grüner oder Gurkensalat. Es muss einfach nur eine weitere Gemüsequelle her, die als Puffer zwischen Burger (der ja auch noch ein wenig Gemüse beherbergt) und den Wedges fungiert. Meine Wahl gestern fiel hier auch Coleslaw.

Wikipedia verrät uns hier folgendes:

„Coleslaw (also known as Cole slaw) is a salad consisting primarily of finely-shredded raw cabbage[1] and dressed most commonly with a vinaigrette salad dressing.“

Grob übersetzt, handelt es sich um einen Krautsalat. Wirklich geile Sache und geschmacklich passt es großartig zu einem Burger. Aber wie macht man das Zeug? So:

  1. Weisskraut in der Küchenmaschine oder per Hand in ganz dünne Streifen schneiden.
  2. Karotten in der Küchenmaschine oder per Hand in feine Streifen reiben.
  3. Zwiebel fein schneiden.
  4. Alles in einer Schüssel vermischen.
  5. Eine Mischung aus Buttermilch, Joghurt, Majonnaise, Zitronensaft, Salz/Pfeffer und Zucker als Marinade anrühren und drüberleeren.
  6. Alles gut vermischen und so lange wie möglich stehen lassen. Je länger, desto gut.

Somit hätten wir die Beilagen erledigt. Was fehlt, ist der Star des Menüs: der Burger. Hier habe ich mich in den letzten Jahren auf folgendes Rezept eingeschossen:

  1. Rinderfaschiertes
  2. Fein gehackte Zwiebeln, in etwas Olivenöl farbig angeröstet und erkaltet
  3. Salz/Pfeffer
  4. Fein gehackte frische Chili (oder aus der Mühle)
  5. Ein paar Spritzer Worcestershiresauce

Alles in einer Schüssel vermischen und am besten mit einer Burgerpresse zu gleich großen Patties formen. Das war’s! Der Rest ist dann nur mehr ein Kinderspiel. Vorausgesetzt, man hat brauchbare Burgerbrötchen besorgt oder gar selber gebacken. Nachdem ich sehr gerne koche, aber überhaupt kein Bäcker bin, habe ich mich auf die Suche nach passenden Brötchen gemacht und bin bei einem Bäcker bei mir um die Ecke fündig geworden. Dieser verkauft runde Laugenbrötchen, aus denen sich perfekte Burger basteln lassen. Auch beim Spar bekommt man diese leckeren, kleinen Dinger. Was brauchen wir also noch?

  1. Cocktailsauce (2 Teile Ketchup, 1 Teil Majonnaise, etwas Zitronensaft, etwas Worcestershiresauce, bisserl Cayennepfeffer, Salz/Pfeffer – alles in einer kleinen Schüssel verrühren)
  2. Englischen Senf. Oder Dijon.
  3. Ein Salatblatt pro Burger, am besten Lollo Rosso, der lässt sich super zurechtformen.
  4. Eine Scheibe einer Ochsenherztomate, ohne Strunk.
  5. 2 Scheiben frische Gurke. Und, ja, die Gurke muss da rein!
  6. Eine Scheibe einer roten Zwiebel, quer geschnitten.
  7. Eine dickere Scheibe Cheddarkäse.

Dann hätten wir alles, um unsere Burger zusammenzubauen!

  1. Laugenbrötchen (oder Alternative, nur nicht diese grauslichen Burger-Brötchen aus dem Supermarkt) halbieren und kurz ins heisse Backrohr geben.
  2. Burger in einer Pfanne anbraten
  3. Kurz vor dem Fertigwerden rausnehmen, Zwiebelscheibe oben draufgeben und darauf die Cheddarscheibe platzieren. Das Ganze dann für eine Minute ins Backrohr schieben, bis der Käse geschmolzen ist. In der Zwischenzeit
  4. Salatblatt hinlegen.
  5. Tomate aufs Salatblatt legen.
  6. Gurkenscheiben auf Tomate legen.
  7. Burgerbrötchen aus dem Backrohr nehmen, untere Hälfte mit Senf, obere Hälfte mit Cocktailsauce versehen.
  8. Burger aus dem Backrohr nehmen und auf die untere Hälfte legen.
  9. Darauf die Gemüse-Garnitur platzieren.
  10. Brötchendeckel drauflegen.

Unser Burger ist fertig! Dann noch Wedges auf den Teller und etwas Coleslaw und die Völlerei kann beginnen!

Wie auch immer euer perfekter Burger aussieht.. lasst euch von niemandem erzählen, dass eure Version nichts taugt oder ihre Burger besser sind. Erlaubt ist, was schmeckt.

Wenn ihr nach all den Vorbereitungen in euren fertigen Burger beisst und das Gefühl habt, einen wirklich verdammt guten Burger in den Händen zu halten, dann liegt das vielleicht einfach nur daran, dass er euch auch wirklich verdammt gut gelungen ist. Scheißegal, woher das Rezept stammt.

 

dad

Ich bin meines Vaters Sohn.

Mein Dad stammt aus der Türkei. Ziemlich einzigartiger Typ, mittlerweile schon über 80 Jahre alt. Es gibt einige Dinge an ihm, die ich noch nie mochte. Einiges, das mich verwundert. Einiges, das ich ziemlich cool finde. Und dann gibt es Dinge, die ich schlicht und ergreifend nicht verstehe.

Als ich klein war, fand ich ihn ziemlich cool. Ich durfte tun und lassen, was ich will und dafür hielt er seine schützende Hand über mich, sodass mir keines meiner Geschwister ans Leder konnte, ohne Vergeltungsaktionen befürchten zu müssen. Mein Vater ist es auch, von dem ich mein Schandmaul habe. Doch, doch, ist wahr! Bereits als Kind beeindruckten mich seine Fäkalstürme, die er in unregelmäßigen Abständen von sich gab, zutiefst. Manchmal dauerten diese eine geschlagene Viertelstunde, ehe er wieder Luft holte. Die Frage, was ihn denn da so aufbrachte ist weniger relevant als die Tatsache, dass er es schaffte, in dieser Zeit keine einzige Beleidigung ein zweites mal auszusprechen. Sein Schimpwort-Arsenal war und ist ziemlich beeindruckend.

So kam es auch, dass eigentich nie wirklich Diskussionen bei uns daheim aufkamen, wie es in türkischen Familien, wenn Besuch da ist, so vorkommt. Die meisten wussten, dass gegen die geballte Argumentationskraft meines Vaters, notfalls auch unter Zuhilfenahme heftigster Kraftausdrücke, kein Kraut gewachsen war. Und diejenigen, die es dennoch versuchten, schlichen danach mit eingezogenem Schwanz von dannen und zogen es vor lange Zeit nicht aufzutauchen, wenn sie sich denn überhaupt jemals wieder bei uns blicken ließen.

Damals fand ich das echt verdammt klasse. Keiner machte meinen Dad dumm an.

Die Kehrseite dieser Medaille ist, dass der Freundes-/Bekanntenkreis meiner Eltern in den letzten 40 Jahren einen massiven Schwund aufweist. Letzten Endes kann nicht jeder mit dieser „My way or the highway“ Philosophie umgehen. Langjährige Freundschaften gingen auf diese Weise zu Bruch, was ich irgendwann zu bedauern begann, da ich einige dieser Bekannten eigentlich ganz gut leiden konnte. Aber sie hatten ihre Wahl getroffen. Damit waren sie für meinen Vater kein Thema mehr. Und wer sich einmal zur anderen Seite der Macht bekannte, für den gab es kein Zurück.

Das fand ich dann irgendwann ziemlich Scheiße.

Ich begann meinen Vater deswegen zu kritisieren. Weil er keine anderen Meinungen gelten lässt. Weil er nicht akzeptiert, dass freundschaftlicher Umgang nicht zwangsläufig bedeutet, dass man der gleichen Meinung sein muss. Er akzeptierte nicht, dass man sich darüber einig sein kann, sich uneinig zu sein. Die Tatsache, dass er letzten Endes keine Sekunde zögert, eine langjährige Bekanntschaft wegen eines nichtigen Grundes in die Wüste zu schicken, ließ mich einige Zeit lang verständnislos den Kopf schütteln.

Dann musste ich aber mal kurz überlegen. Und schlucken.

Keine Sekunde lang kam mir der Gedanke, dass ich ihm in all diesen Dingen so ähnlich sein könnte, dass es schon beinahe peinlich ist. Ich kritisiere Dinge an ihm, die ich selber haargenau auf die gleiche Art und Weise handhabe. Dir passt nicht, was ich sage? Dort ist die Tür. Plain and simple. Dass wir uns dabei vielleicht schon jahre- oder jahrzehntelang kennen, spielt für mich nicht die geringste Rolle. My way, or the highway.

Dass ich ihm so ähnlich bin, ohne dass mir das aufgefallen wäre, war echt eine Erkenntnis, die mich einige zeitlang ziemlich beschäftigt hat. Letzten Endes habe ich mich damit abgefunden, dass ich tatsächlich der Sohn meines Vaters bin. Nicht nur in dieser Hinsicht.

Wir werden älter und versuchen vieles anders als unsere Eltern zu machen. Mit dem Resultat, dass wir ihnen immer ähnlicher werden. Gebt euch also nicht der Hoffnung hin, dass ihr alles anders oder besser machen werdet.

Not. Going. To. Happen.

ej

easyJet, my Ass!

Da schenkt man seiner Holden einen Rom Flug zum Geburtstag und was passiert beim Hinflug? Richtig. Verspätung. Nun, wir lassen uns das Wochenende nicht vermiesen, besorgen uns Drinks und machen uns eben am Gate die Birne weich, bis der Flug tatsächlich stattfindet. So weit, so gut.

Fast forward Rom. Viel erlebt, viel gegangen, viel gegessen, viel getrunken. Am Sonntag, den 13.9. finden wir uns erneut am Flughafen Fiumicino ein, um unseren Rückflug anzutreten. Das einzige Problem: erneut Verspätung! Dann wieder. Und wieder. Und nochmal. Bis sie den Flug um 23 Uhr schließlich canceln. Mit langen Gesichtern stornieren wir den angebotenen Rückflug am nächsten Tag, weil wir eher einen Latrinenboden mit den Zungen auflecken, als mit easyJet zurückzufliegen und beschließen, uns die Nacht am Flughafen um die Ohren zu schlagen. Letzten Endes landen wir im Hilton, ebenfalls am Flughafen, und knallen uns dort einfach in der Lobby auf eine Couch. Niemand nimmt von uns Notiz, wir sind allen egal.

Komplett erschlagen und unter schwerem Schlafentzug leidend fliegen wir am nächsten Morgen mit Airberlin nach Wien und sind froh, endlich wieder daheim zu sein.

Nun gibt es zwei Dinge, die mir seitdem durch die Birne gehen:

Numero 1:

easyJet weigert sich, den Rückflug zu vergüten. Sie meinen, ich hätte den Rückflug nicht storniert, sondern auf Dienstag, den 15.9. umgebucht. Macht ja auch total viel Sinn, nachdem wir uns einen Rückflug mit Airberlin gecheckt haben, den ursprünglichen Flug um 2 Tage zu verschieben. Als Entgegenkommen wurde mir eine Gutschrift für einen Rückflug aus Rom angeboten, sollte ich jemals wieder hinfliegen. Ähm.. nein, danke.

Davon abgesehen, weigert sich easyJet auch, die uns zustehende Vergütung von EUR 250,00 pro Ticket und Nase im Falle einer Flugannulierung zu bezahlen. Die Begründung: es handelte sich um „außergewöhnliche Umstände“. So wie ein Unwetter. Oder ein Erdbeben. Oder verfickte Aliens, die in Rom auf einen Café Latte vorbeischauen.

easyJet zahlt überhaupt nichts. Nun. Fuck’em! Wozu gibt es einen Rechtsschutz? Alles niedergeschrieben und an selbigen weitergeleitet. Sollen sich die mit diesen unfassbar stümperhaften, elendigen Arschlöchern einer Airline rumschlagen, die zu dumm oder unfähig sind, ihre Fluglogistik im Griff zu haben. Was ich damit sagen will ist:

Fliegt nicht mit easyJet! Die sind scheiße!

Aber wirklich beschäftigen tut mich

Numero 2:

Diese eine Nacht auf dem Flughafen und ohne Behausung hatte zur Folge, dass wir uns elendig fühlten. Müde, ausgelaugt, stinkend, mies drauf. Eine einzige Nacht. Am Montag darauf konnten wir wieder in unseren frisch bezogenen Bettchen schlafen und uns vorher noch ein paar Folgen House of Cards auf Netflix reinziehen.

Ich überlegte, wie es sich anfühlen muss, mehrere Tage unterwegs zu sein. Oder Wochen. Oder gar Monate. Mit Frau und Kind. Oder Kindern. In eine ungewisse Zukunft. Nur das Notwendigste bei sich zu haben und zu versuchen aus einem Land zu fliehen, wo sie dich umbringen werden nur um in einem fremden Land einzutreffen, wo dich keiner haben will. Auf einer Fähre zu versuchen nach Europa zu kommen und festzustellen, dass diese plötzlich untergeht. Eine Entscheidung treffen zu müssen, nämlich die, welches deiner beiden Kinder du im eiskalten Wasser loslässt um das andere zu retten. Nicht zu essen zu haben oder zu trinken. Komplett bei null angekommen zu sein.

Und plötzlich kam ich mir sehr klein vor. Und schämte mich. Ein gestrichener Flug. Boo-fuckin-Hoo! Eine Nacht am Flughafen. Wääähäääää!

Wir haben keinen blassen Schimmer, wie es sich anfühlt, alles zurückzulassen und um sein Leben zu rennen. Diese Menschen haben ein Recht auf unsere Hilfe und zwar für jede Sekunde, in der sie um ihre Leben fürchten mussten und müssen. Seit Wochen keine vernünftige Mahlzeit oder Unterkunft gehabt zu haben ist ein so unfassbar erschreckender Gedanke, dass wir uns damit nicht auseinandersetzen wollen. Und dann erreichen sie endlich ein Land, in dem sie sich sicher fühlen können und beschissene, hirnlose Halbaffen stehen mit Schilder da auf denen steht, dass sie nicht willkommen sind.

Wenn jemals jemand die Bezeichnung Hurenkind verdient hat, dann diese Typen. Ich wünsche ihnen allen, dass ihnen genau das widerfährt, was diese Menschen erdulden mussten. Und nebenbei wünsche ich ihnen auch noch Geschwüre auf ihren Arschlöchern.

Ich würde an dieser Stelle gerne sagen, dass die Menschheit einfach keinen Pfifferling wert ist, so wie ich es mir oft in der Vergangenheit gedacht habe. Aber das kann ich nicht. Das würde bedeuten, dass ich all die Menschen, die seit Wochen und Monaten mit anpacken und den ankommenden Flüchtlingen helfen, mit dieser blauen, debilen Brut in einen Topf werfe. Und das werde ich nicht.

Ich bin kein Buddhist, glaube aber ganz stark daran, dass Gutes im Leben zu einem zurückkommt. Genauso wie Schlechtes. Noch nie in meinem Leben gab es eine Zeit, in der ich mir mehr gewünscht hätte, dass dies tatsächlich der Fall ist.

Karma is a bitch, ihr rechten Arschlöcher! Ihr werdet schon sehen…